Das große Traktor-Quiz 1/10: Die Auflösung
Nördlicher dürfte – abgesehen von der heutigen Valtra-Produktionsstätte – kaum ein Schlepperwerk stehen. Die Geburtsstätte des im letzten Quiz gezeigten Schleppers – eines Valmet 565 – befindet sich in der mittelfinnischen Stadt Jyvaskylä.Die staatliche Metallfabrik – finnisch: Valtion Metallitehtaat bzw. ab 1951 abgekürzt Valmet – entstand nach dem Zweiten Weltkrieg aus den Überresten der finnischen Rüstungsindustrie. Neben Papiermaschinen gehörten Ackerschlepper zu den ersten zivilen Erzeugnissen. Ein erster Prototyp von 1949 befriedigte nicht, doch wurde das Projekt beständig weiterverfolgt. Nach zehn Vorserienmaschinen lief in der ehemaligen Gewehrfabrik Tourula in Jyvaskylä 1952 die Serienproduktion des von einem 15-PS-Ottomotor angetriebenen Valmet 15 an.
1957 ergänzte der 37 PS starke Valmet 33 Diesel das Programm, der über einen Dreizylinder-Dieselmotor mit Direkteinspritzung sowie ein Gruppengetriebe mit sechs Vorwärts- und zwei Rückwärtsgängen verfügte. Die Weiterentwicklung führte schrittweise zum 1964 mit dem Beinamen „Synchro-Traktor“ präsentierten Valmet 565. Der Motor leistete inzwischen 52 PS (SAE) bei 2.250 U/min (46 PS an der Zapfwelle), und das Getriebe war durch eine Synchronisierung der beiden oberen Gänge sowie der Gruppenschaltung aufgewertet worden. Mit den serienmäßigen Bereifungen 13-28 bzw. 11-32 ergab sich eine Höchstgeschwindigkeit von rund 30 km/h.
Bis 1968 entstanden über 10.000 Exemplare. Nach der im September 1969 einsetzenden Produktionsverlagerung ins neue Werk Suolahti bildete der Triebstrang aus Dreizylindermotor und 6/2-Gang-Getriebe noch bis 1985 die Basis für die kleineren Schlepper des Hauses.
Eine im Oktober 1979 vertraglich besiegelte Zusammenarbeit mit dem schwedischen Konkurrenten Volvo BM führte 1982 zur Volvo-BM-Valmet-Serie, die nach dem Ausscheiden von Volvo BM aus dem gemeinsamen Projekt ab 1985 wieder unter dem Namen Valmet vermarktet wurde. 1994 fasste der finnische Staat die Schlepper- und Motorenproduktion von Valmet mit dem Nutzfahrzeughersteller Sisu zusammen, der wiederum 1997 von der privaten Partek-Gruppe übernommen wurde.
Die Schlepper trugen ab 1998 den Namen Valtra Valmet und ab 2001 schließlich den – einst Anfang der 70er-Jahre für Baumaschinen auf Basis der Valmet-Schlepper aus der Taufe gehobenen – Namen Valtra. 2004 verkaufte Partek das über Werke in Finnland und Brasilien verfügende Unternehmen Valtra Inc. inklusive der unter dem Namen Sisu Diesel firmierenden Motorenproduktion an den amerikanischen AGCO-Konzern, zu dessen Markenportfolio unter anderem auch Massey-Ferguson, Fendt und Challenger zählen.
Freerk v. Jeebel





