Das große Traktor-Quiz 4/10: Die Auflösung
Das im vergangenen Quiz angedeutete Nachbarland heißt Österreich, denn dort – genauer gesagt in der steiermärkischen Landeshauptstadt Graz – wurde der abgebildete Schlepper 1965 gebaut.Es handelt sich um einen Krasser U 5 V mit luftgekühltem, 44 PS starkem MWM-Dreizylindermotor.
1937 gründeten Alois (1906–1997) und Josefine Krasser (1913–1992) in der steiermärkischen Ortschaft Edelschrott (Nomen non est Omen) eine Landmaschinenwerkstatt. Bereits während des Krieges entwickelte Alois Krasser einfache Standseilwinden, die eine erhebliche Erleichterung der Bearbeitung steiler Äcker brachten.
Ab 1952 wurden fahrbare Seilwinden mit zunächst 10 und später bis zu 25 PS starken Dieselmotoren gefertigt. Das in der Radnabe befindliche Differential (Krasser-Patent) ergab einen schlanken Aufbau der Hinterachse und somit trotz der für die Kippsicherheit am Hang wichtigen kleinen Bereifung eine gute Bodenfreiheit. Die naheliegende Weiterentwicklung der durchaus für Zug- und Transportarbeiten geeigneten Fahrzeuge führte ab 1958 zu den in Rahmenbauweise ausgeführten Bergtraktoren U 3 V und U 4 V mit 15 bis 22 PS starken Warchalowski-Motoren und 6/2-Gang-Getrieben. Dank der niedrigen Bauweise konnten Seitenhänge bis 55 Prozent Neigung befahren werden.
1965 ergänzte der in unserem Quiz vorgestellte U 5 V die Palette, der mit wahlweise 30 oder 44 PS starken MWM-Motoren und optionalem Allradantrieb deutlich höhere Ansprüche erfüllte. Um 1970 passte man die Motorhaube mit kantigen Formen dem Zeitgeschmack an und stellte den U 6 V mit 8/8-Gang-Wendegetriebe vor, bei dem man jedoch vom Radnabendifferential abging. Die Kunden konnten hier zwischen dem bekannten 30-PS-MWM- und einem 45-PS-Perkins-Motor wählen. Um 1985 endete die Fertigung nach insgesamt rund 1.500 Schleppern.
Eigens für den Schlepperbau hatte Krasser 1958 eine zweite Produktionsstätte in A-8054 Seiersberg an der Grazer Stadtgrenze errichtet, in der noch heute Forstseilwinden mit 5, 5,5 und 6 Tonnen Zugkraft gebaut werden.
Nach wie vor sind Ersatzteile für die Schlepper lieferbar, da man einst praktisch alles außer der Motoren und des Lenkgetriebes im eigenen Werk fertigte. Der Betriebsteil Edelschrott ging mit dem Tod von Josefine Krasser 1992 an ihren Neffen Harald Nestler, der dort einen Landmaschinenhandel mit angegliederter Werkstatt betreibt.
Freerk v. Jeebel





